Sich angesichts der wenigen verfügbaren Tage vergleichsweise verbissen erholen zu wollen steht immer unter einem wackligen Stern. Entsprechend fuhren wir ausgerechnet in den vier Tagen fort, an denen uns zuhause ungeahnte Frühlingstemperaturen umschmeichelt hätten, wohingegen an der Ostsee dicke Wolken und ein steifer Wind mit gefühlten fünf Grad Celsius auf uns warteten. So liefen wir am Sonntagabend und den ganzen Montag über eingepackt samt Stirnband und Schal durch Prerow und Zingst. (Ich fand ja, die Möwe sah aus, als trüge sie Burka. Für diese zweifellos richtige Beobachtung erntete ich allerdings ein Grummeln.) Am endlos scheinenden, feinsandigen Strand war es wegen des Winds nicht lange auszuhalten, es sei denn, man setzte sich eine Weile in einen der wenigen hingewürfelten und freundlicherweise unverschlossenen Strandkörbe.

flatter. flatter. flap.
Was der Küstenbewohner über unser Kälteempfinden denkt, wurde uns unmissverständlich gedeutet, als wir im »italienischen« Eiscafé saßen, um uns bei einem Milchkaffee zu wärmen. Auf meine Bitte schloss einer der vier deutschen Jungspunde, die hinter der Theke lungerten, die offene Eingangstür zwar ohne Widerspruch, aber nur um sie schnurstracks hinter unserem Rücken wieder aufzureißen, als wir das Café wenig später wieder verließen.

Der nächste Tag bescherte uns mehr Wetterglück. So war zwar der Wind nicht weniger oder wärmer geworden, aber zwischen den vorbeifliegenden Wolken riß es immer wieder auf. Wir liehen uns Räder und radelten durch den großen, geschützten Wald zum Weststrand. Knorrig, moosig, versumpft. Mystisch.

Märchenwunderwald
Am Ende des Wegs schließlich der Strand. Kein Kommerz, keine Autoparkplätze im Umkreis von Kilometern, kaum Menschen. Nur Wellen, Himmel, geheimnisvoll wechselndes Licht und Bäume, die ihre knochigen Finger in den Wind reckten. Der Augenblick, für den sich die ganze weite Fahrt gelohnt hat.

Urlaub. Wenn alles andere weit weg ist.
Am nächsten Morgen ging es wieder zurück, mit einem Tag Fürstenwalde dazwischen (und ein paar Stunden Berlin, wo wir mit dem auch realiter erzsympathischen Herrn Undundund einen Kaffee getrunken haben) schließlich nach Hause, wo auf dem Balkon ungeahnte Sommertemperaturen umschmeicheln. Doof nur, dass die Möwe schon wieder arbeiten muss.

[Noch ein paar Fotos in den Kommentaren.]
Kommentare 

Ein Rundum-Panorama gibt es hier: >klick<.
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Willkommen zurück. Schöner Wald da oben. Müsste ich auch mal mit Kamera hin :-)
(Machense sich nix aus dem Wetter. Warm werden wir's jetzt noch öfters haben.)
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Und kaum hier, schon wieder weg
Heute noch in letzter Minute 5 Tage Türkei hinterhergebucht, Abflug morgen in aller Herrgottsfrühe von München. Mein erster SpießerPauschalurlaub!
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Haha! Resturlaub??
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Jepp. Muss ja alles weg, sagt die Personalabteilung.
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Tolle Fotos! Ich glaube übrigens, so ein wenig Klimaherausforderung tut dem Körper auch ganz gut. Mir fällt da gerade Hiddensee im Winter ein. Und im Sommer ist es auf dme Darß doch ziemlich überlaufen?
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Ganz sicher tat uns das Klima gut. Nur jetzt, am Ende des Winters, sehnten wir uns nach etwas Wärme und wären gern ein paar Stunden länger am Strand gewesen. Aber ich will gar nicht allzu sehr meckern; nicht zuletzt war die Menschenleere in der Tat sehr angenehm.
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Wunderschöne Fotos!
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*hachsach*
Wundervolle Bilder und eine heimelige Beschriebung der Tage. Klingt wirklich verlockend.
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luftige Bilder,danke- muß doch mal wieder hin!
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Mein Gott, zwölf Jahre ist es her, dass ich mal auf dem Darß war. Ich war fünfzehn, fuhr mit meinem Vater per Rad von Hamburg nach Zinnowitz und seine EC-Karte funktionierte nicht mehr. Aber wenn ich die Bilder sehe, spüre ich nichts von den Jahren, die inzwischen zwischen hier und damals liegen. Tolle Aufnahmen!
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