Ich mag Veränderungen. Prinzipiell. Dachte ich.

Doch nun, nach über einem Jahr Rumgeeiere mit dem neuen, großen Projekt und der Umstrukturierung in der Firma mag ich nicht mehr. Wichtige praktische Entscheidungen, die nicht getroffen werden oder in falscher Sucht nach Konsens Monat für Monat rausgeschoben werden (und glauben Sie nicht, dass Eskalieren geholfen hätte), andauernde Unklarheit, was nun meine Aufgaben sind und was nicht und wie gearbeitet werden soll, nach-unten-Drücken der unerledigten und unentschiedenen Themen (Hauptsache, die Fantasie-Meilensteine werden erst einmal gehalten), Revierkämpfe beteiligter Abteilungen und Personen, Blockieren von Lösungen ohne das Risiko, dafür abgewatscht zu werden (ganz einfach, denn jedes große, neue Projekt ist ein einziges Henne-Ei-Problem), Blindleistung auf allen Ebenen.

Feierabend, ich bin's leid. Ich will hier etwas gestalten, etwas Sinnvolles tun. Aber dazu brauche ich eine definierte Aufgabe und einen geeigneten Entscheidungsspielraum. Wenn heute ein Gespräch mit dem Vorgesetzten nichts bringt, setze ich meine Ampel auf Rot. Weiterer Handschlag nur nach klarer Arbeitsanweisung.

Ich mag feste Strukturen. Prinzipiell. Merke ich.
Kommentare 
"Jaa! Herr Himmel! Seien sie kreativ! Bringen sie uns nach Vorn!!
"Na, dann gucken 'se ma: Das hier hab ich mir ausgedacht..."
"Ne, so geht das aber nicht! Das ist nicht ihr Aufgabengebiet."
"Ach so.. ich dachte..."
"Sie sollen nicht denken, sie sollen MACHEN."
"Und was soll ich machen?"
"Denken 'se sich was aus!"
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Jetzt werden Sie mir unheimlich, Frau diagonale. Ich dachte bislang, Sie arbeiteten ganz woanders.

(Danke fürs Grinsen machen.)
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Ist doch überall das selbe... vor allem in unseren Abteilungen. Es gibt eben keine klar umrissenen Arbeitsaufgaben.
Deswegen hatte ich auch schon Ärger mit einem Lieferanten, der dachte ich sei nur für seine Produktgruppe zuständig und wunderte sich, das sich bei uns da nicht so viel tat... inneralb von 1-2 Monaten. Netterweise beschwerte er sich darüber nicht bei mir, sondern beim Chefchef. Der durfte dann eben erklären, dass ich Feuerlöscher für den ganzen Betrieb und über 2000 Produkte bin.
Schön ist bei mir, dass emin Arbeitsfeld deswegen eben doch sehr weit ist. Mir haut so schnell keiner auf die Finger, so lange ich alles fachlich absegnen lasse.
In einem Unternehmen, wie dem Ihren sieht das sicher schon wieder ganz anders aus.
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ach so lang, bei uns folgt nach einer umstrukturierung --> nach einem halben jahr die umstukturierung von der strukturierung.... fragen sie mal wo wir gerade sind... wir strukturieren die dritte strukturänderung um... unabhängig von den strukturellen probleme der einzelnen mitarbeiter....................
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Ich hatte erst "Unstrukturierung" gelesen und vermeint, einen völlig innovativen Firmenansatz entdeckt zu haben. :)
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Unstrukturierung trifft es - als Dauerzustand - derzeit allerdings auch ganz gut. Innovation vielleicht weniger.
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Solange sich immer wieder positive Überraschungen einstellen, lässt sich mit Vielem umgehen. :)
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Dazu brauchts keine Firma, das geht bei Behörden auch... Das ist genau der Grund, warum ich wieder zurück in die Rechtsprechung bin.
Hier hab ich zwar ne Geschäftsverteilung, bin für die Buchstaben C, P-S zuständig, für 93E, 154, 108, 110 und eine Endziffer bei 107. Aber in dem Bereich entscheide ich und sonst niemand.
Vorher waren alle für alles irgendwie zuständig und entschieden haben auch alle bei allem.... Demenstprechend ging nix vorwärts.
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Und hat es, zumindest theoretisch, was gebracht oder setzte man Sie gleich vor die rote Ampel (so ist es ja bei uns häufig)
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Nun, es hat zwar natürlich kein Problem gelöst, aber zumindest habe ich fürs erste einen klaren (wenn auch sehr überschaubaren) Auftrag, zudem überraschend viel Verständnis geerntet und letztlich auch einen neuen Mitstreiter gefunden, dem es ähnlich geht, und mit dem zusammen ich jetzt wieder - unabhängig von "offiziellen" Aufgaben für die nächsten zwei Wochen etwas Sinnvolles zusammenbringen kann. Auf den Tisch zu hauen hat sich also wieder mal gelohnt. Bei mir dauert es leider immer viel zu lange, bis ich die Schnauze voll habe.
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Liebe blue skye ein sehr schönes Seitendesign haben Sie da. Besonders apart find ich die Möwe. Zum Text: Einfach machen. Sagen Se doch einfach Ihrem Chef: Dit hab ick mir jedacht, so will ick et anjehen und bis dann und denn is it fertig, wa.
Mich würde das beeindrucken.
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schmunzel....überall dasselbe....ist doch auch irgendwie'ne verläßliche Größe, oder ? Nicht unterkriegen lassen !
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Vielen Dank für den Zuspruch. Leider ist mein Chef (eigentlich habe ich zur Zeit ja sogar zwei) auch nur ein Rädchen und meine Arbeit hängt mit sehr vielen anderen zusammen, so dass Einzelaktionen nur begrenzt sinnvoll sind. Aber sei's drum, es tut sich erst einmal wieder etwas.

(Meine Möwe finde ich auch apart, liebe cabman.)
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kicher
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haha - kenne ich. da hat man immer gedacht, man könnte doch bestimmt locker flockig in womöglich anarchischem chaos jonglieren. so ganz theoretisch gedacht. man ist ja offen. und so. bla bla. bis man begreift, dass die struktur als system zunächst wertfrei ist. leicht erkennbare strukturen zu mögen ist in seiner innersten substanz ein kommunikativer aspekt. sichtbare verbindliche struktur ist sprache. kommunikationsgrundlage. unter anderem. sage ich mal so.
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So gut könnte ich das nicht ausdrücken. Mir ist das Thema bislang als Typisierung von Menschen bekannt, z. B. für die gezielte Vorbereitung von Seminaren. Ähnlich Lisas Portfoliotechnik spannt sich da eine waagerechte Achse von Distanz zu Nähe auf und eine senkrechte von Ordnung zu Chaos. Jeder Mensch hockt darin in seiner grundsätzlichen Einstellung auf einem anderen Fleck, d. h. der eine liebt eine feste Ordnung sowie große Nähe zu Mitmenschen, ein anderer fühlt sich eher in Chaos und ein bisschen Nähe wohl usw.

Natürlich ist das grob vereinfacht, aber mir hilft es immer mal, mir dessen bewusst zu werden und Leute nicht wieder abzuwerten, nur weil sie nicht so ticken wie ich. Jetzt muss ich nur mal wieder über meinen eigenen Punkt im Diagramm nachdenken.
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Das Grundproblem liegt woanders. Es heisst Darstellung. Alles beruht nur noch auf Darstellung, was im Allgemeinen als Selbstdarstellung interpretiert wird. Das hat ein Niveau erreicht wo die Hülle, der Style, das formale Wesen der Darstellung mehr Gewicht bekommen als die tatsächliche Substanz des Dargestellten. Und wenn man das Spiel kann, scheint es Spass zu machen. Bestimmten Geistern jedenfalls. Deshalb braucht man Projekte, Umstrukturierungen, Kick-off Meetings, Lenkungsausschüsse etc. Ein Haufen Kamelscheisse zum Mittagessen könnte nicht öder sein.
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Klar gibt es bei uns diese Darsteller, die zwar kaum Ergebnisse produzieren, aber in einer ewigen Aktivitätssimulation Wichtigkeit ausdünsten. Sie sind allerdings - gottseidank - nicht in der Überzahl (wenn auch meist an einflussreichen Positionen). Manchmal regiert auch einfach nur der fachexpertige Starrsinn. Sowie der Unwille des Managements, dem Alle-reden-in-allem-rein Grenzen zu setzen.
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Ich kannst dir sowas von nachfühlen. Naja, ich arbeit ja auch im gleichen Verein.
Und weißt was? Ich kann dir nichtmal nen Ratschlag geben. Doch. Abwarten oder wechseln. Nur woanders ists auch nicht besser. Wobei in kaufmännsich geprägten Abteilungen gehts offensichtlich besser als dort, wo Produkte entwickelt werden. Produktentwicklung und Produktmarketing: das sind die interessantesten Abteilungen aber vor allem dann die schlimmsten, wenn die Kompetenzen nicht klar definiert sind. Vor allem dann, wenn man irgendein Schnittstellenprodukt macht... Oder etwas, was mehreren Produktfamilien zuordenbar ist. Hatt ich mal. Fürchterlich.
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stimmt das denn, dass es woanders sowieso nicht besser ist? das wäre doch schrecklich, wenn man immer nur vom regen in die traufe kommt. damit meine ich nicht, dass nicht jeder (ja auch meiner:) job seine nachteile hat. doch wenn ich das gefühl habe, mein tun ist absolut sinnlos und ich innerlich nach was anderem strebe, dann würde ich meine augen und ohren offenhalten und mein letztes bisschen gottvertrauen zusammen kratzen. oder selbst was auf die beine stellen.
zu anmassend? wollte nur mut machen:)))
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@Lisa: Genau so ein Produkt machen wir. :)

Nun. Um die Firma zu verlassen, verdiene ich vergleichsweise zu gut bei gleichzeitig hohen Unterhaltspflichten - eine Tatsache, die (abgesehen von mangelndem Drive für sowas) einen Gang in die Selbständigkeit für mich ausschließt. Allerdings gäbe es sicher noch andere Stellen innerhalb der Firma. Ob die in dieser Hinsicht besser oder schlechter sind? Keine Ahnung.

Prinzipiell bin ich mit meiner eigentlichen Aufgabe ja auch zufrieden - lediglich die Randbedingungen sind jetzt schon länger sehr anstrengend. Ich habe mir vorgenommen, noch bis Ende des Jahres dabei zu bleiben, passend zur Projektphase. Bis dahin muss sich etwas geändert haben, oder ich muss etwas ändern. Wir werden sehen...

(Danke fürs Mutmachen dennoch. :)
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