Death is the mother of beauty; hence from her
Alone, shall come fulfillment to our dreams

-- Wallace Stevens

Atemberaubend schön. Organisch verlaufene Farben, verästelte Ströme, manche blutrot wie Adern zwischen großen, braunen Flächen, die wie mit einem Messer in feinen, weißen Linien angekratzt scheinen, dann wieder von Menschenhand geschaffene Strukturen: schnurgerade Wege und klar abgegrenzte Rechtecke, in parallelen Wellenmustern zerfurcht, alles ohne klar erkennbaren Maßstab oder räumliche Tiefe: Eine verwirrende Mischung aus Abstraktion und erkennbaren Details; Flächen, wie gemalt mit Farben, die in ihrer Kraft und Kombination nicht von dieser Welt scheinen.

Seite aus The Lake Project
Und doch sind es Fotografien. Der Fotograf David Maisel hat über lange Zeit hinweg einen toten, ausgetrockneten Salzsee in Kalifornien aus der Luft abgelichtet. Es heißt, der See beziehungsweise seine Überreste seien voller Ablagerungen verschiedenster Schwermetalle (die sich zudem bei Wind zu giftigen Wolken formen), teilweise von Bakterien fermentiert, und trotz dieser Erklärung bleiben die Farben unglaublich, unwirklich.

Gesehen hatte ich die Aufnahmen (mal wieder) zuerst im BLDGBLOG, dann in der Online-Galerie des Fotografen. Jetzt bekam ich den Bildband zum Lake Project geschenkt. Die in der Galerie aufgeführten etwa zwei Dutzend Fotos sind darin je im Format 30x30cm abgebildet, zusammen mit dem lesenswerten, philosophischen Begleittext des Fotografen, aus dem ich auch das Zitat oben entnommen habe. So wie ich das sehe, scheint es den Band in Europa derzeit nur antiquarisch zu geben, und er ist irre teuer. Doch während bei den Minimiams die Abbildungen der Fotos im Web den Zauber des Buchs getrübt haben, sind sie hier nur unzureichende Appetithäppchen für die wunderschönen Bilder, die erst im Großformat des Buchs ihre volle Anziehung entwickeln, jedes einzelne.

[Sehen Sie sich auf seiner Website auch die Projekte Oblivion und Terminal Mirage an. Ach ja: Wenn mir jemand irgendwie ein Exemplar des Katalogs zu Terminal Mirage besorgen kann, natürlich gegen Bezahlung, würde ich mich riesig freuen.]
David Maisel, The Lake Project
http://www.davidmaisel.com
Kommentare 
das erinnert mich an die reportage "die schönheit des hässlichen" in einer der letzten geo-ausgaben. es handelte sich um fotografien von edward burtynsky, der von menschen ausgebeutete landschaften ablichtet. vielleicht kennen sie ihn ja bereits.
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Nein, der ist mir neu, vielen Dank für den Hinweis. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich nicht vor kurzem erst irgendwo seine Shipbreak-Serie gesehen habe.
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Bemerkenswerte Bilder, in der Tat...
Dann werden Dir bestimmt auch die Werke des »Naturkünstlers« Andy Goldsworthy sehr zusagen. Such' mal per Google oder guck zum Beispiel hier! bei zweitausendeins gibt es zwei wunderschöne Bildbände über den Meister und seine vergänglichen Werke...
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Hmm. Ja, das ist beeindruckend. So richtig begeistern kann ich mich aber nicht. Was daran liegen mag, dass mich eher das Dokumentarische fasziniert, was nur in, aber nicht vor der Kamera arrangiert wurde.
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vielen vielen dank für den tipp. sofort "angefixt" gewesen:)
von/über andy goldsworthy empfehle ich die doku "rivers and tides" - das wird dich garantiert berühren:)
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Die genannte Film-Doku...
...kam erst letzte Woche im Fernsehen: In der Tat werden Goldsworthys Arbeiten noch berührender, wenn man nicht nur das fertige Werk im Bilde sieht, sondern im Film das Werden, das Scheitern, das erneute Probieren, das (durch natürliche Einflüsse) Vergehen. Also effekthascherische »Arrangements vor der Kamera« sind das ganz gewiß nicht...
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Oh, das "Arrangement vor der Kamera" bitte nicht negativ verstehen, es war ganz neutral gemeint. Ich hatte damit eigentlich extra einen Ausdruck verwenden wollen, der nicht abwertend wie z. B. das Wort gestellt klingt.

Und danke für den Hinweis, wenn die Dokumentation nochmal gesendet wird, werde ich sie mir aufnehmen lassen.
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