Sten war verwirrt. Er hatte lange nicht mehr an Tante Frieda
gedacht, doch plötzlich schien sie ihm nahezu körperlich präsent.
Verdammt, ich bin ein Idiot. Wie hab ich's angestellt, das nicht früher zu kapieren? Ich muss wohl die Augen verbunden gehabt haben, um nicht all die Tage zu sehen: vergangen, verschwendet, weggeworfen und dem Nichts geopfert, dem ständigen sich-Vergnügen, im Geist jede neue Ausflucht erfindend um mir am nächsten Morgen stets die gleiche Mohrrübe vor Augen zu halten.

Verdammt, ich bin ein Idiot. Wie hab ich's angestellt, nicht früher zu merken, dass die Welt um mich herum sich verändert hat? Während ich älter wurde, hat sie nicht auf mich gewartet, sich im übrigen nie um irgendwen gekümmert: Ich bin nicht der erste, der spät aufwacht, hustend im Rauch eines Nachtlokals mit Billardtischen und einem diensthabenden Sänger, den ich schon nach der ersten Note beurteile.

Ich bin ein Idiot. Wie hab ich's geschafft, nicht die Botschaften zu hören? Jene, die die Weisen hinterlassen wollten, keine Flaschen im Meer, sondern Geschichten, Lieder, Gemälde, Worte. Auch wenn ich sie nie alleine gefunden habe, wieso hab ich sie nicht sofort rausgehört? Es tröstet nicht, an morgen zu denken, wenn ich jetzt die Hände auf dem Piano bewege, aber der Kopf leer ist.

Spät, spät, spät, es ist zu spät, Erinnerungen reichen mir nicht,
Wenn man taub wird, spürt man das Gefühl nicht mehr.
Spät, spät, spät, es ist zu spät, zu viel verschwendet,
Wenn man blind wird, findet man die Leidenschaft nicht mehr.

Verdammt, ich bin ein Idiot. Ich hab meinem Herzen die Zeit gegeben, sich zu verbrauchen, aber wieso schlief mein Bewusstsein? Es ist die Katharsis, jene fernsehartige, die dich befreit und beraubt von deinen Sorgen und Reflexionen, sofern du dich nicht im Griff hast. Und es sind keine Anweisungen zu befolgen, es sind nur Fluchten, Handbuch nicht vorgesehen.

Verdammt, ich bin enttäuscht, und ich schäme mich für jede Flamme, die ich gelöscht habe vom allerersten Feuer, das mir im Herzen brannte. Und es ist nicht wahr, dass nicht der Zeitpunkt war, dass immer Zeit bleibt und die Flamme nie stirbt. Nein, es ist nicht wahr, wenn das, was ich jetzt spüre, kaum noch mehr ist als lauwarm. Und es reicht nicht, an morgen zu denken, wenn ich die Hände voll mit Stiften, Papier, Farben habe, aber der Kopf leer ist.

Spät, spät, spät, es ist zu spät, Erinnerungen reichen mir nicht,
Wenn man taub wird, spürt man das Gefühl nicht mehr.
Spät, spät, spät, es ist zu spät, zu viel verschwendet,
Wenn man blind wird, findet man die Leidenschaft nicht mehr.

Verdammt, ich bin ein Idiot! Wie hab ich's angestellt, nicht zu bemerken, dass ich die Schäden alle bitter bezahlt habe? Wer hat mir beigebracht, immer von »den Leuten« zu reden, mich für anders zu halten, mich außerhalb zu nennen, als hätte ich nicht ihre Fehler begangen, genau die gleichen, schlimmer noch, wenn ich meine Rolle betrachte:
Ich bin nur ein Fluggast und hielt mich für den Piloten.

(Idiota)